360° Pflege

Das Glossar

An dieser Stelle erklären wir Fachbegriffe, die in der Projektarbeit wichtig waren. Wo dies möglich ist, verweisen wir auf öffentlich zugängliche Quellen. Alle anderen Einträge sind Arbeitsdefinitionen der Teilnehmer.

Angehörige/Zugehörige

Als einen Angehörigen bezeichnet man eine zu einer anderen Person oder zu einer Gruppe von Personen in einem besonderen rechtlichen oder sozialen Verhältnis stehende Person, wenn man dieses besondere Verhältnis hervorheben will. Der Begriff […] schließt insbesondere den (in der Regel nicht verwandten) Ehegatten oder Lebenspartner und verschwägerte Personen ein. 
Quelle:
Nach StGB § 11 Absatz 1.

Assessment

Pflegeassessment bezeichnet jegliche Form der deliberativen (überlegten) und intentionalen (zielgerichteten) Einschätzung pflegerischer Phänomene und Konzepte. Hierzu zählt auch die Nutzung strukturierter Einschätzungs-, Beobachtungs- und Abklärungsinstrumente (Fragebögen, Skalen, Tests, Interview-Leitfäden). […] Die Ergebnisse des Assessments können für eine klinische Urteilsbildung genutzt werden und sind damit eine Basis für pflegerisches Handeln.
Quelle: 
Reuschenbach, Bernd: Pflegebezogene Assessmentinstrumente, Verlag Hans Huber, Bern, 2011.

Behandlungspflege

Gemäß der Richtlinie des Gemeinsamen Bundesauschusses über die Verordnung von häuslicher Krankenpflege (Häusliche Krankenpflege-Richtlinie, Stand: 17. Dezember 2015) wird Behandlungspflege definiert als „Maßnahmen der ärztlichen Behandlung, die dazu dienen, Krankheiten zu heilen, ihre Verschlimmerung zu verhüten oder Krankheitsbeschwerden zu lindern und die üblicherweise an Pflegefachkräfte/Pflegekräfte delegiert werden können“.
Quelle:
https://www.g-ba.de/downloads/62-492-1479/HKP-RL_2017-03-16_iK-2017-11-25.pdf (letzter Zugriff am 15.01.2018) 

Beratung

Ergebnisoffener Dialog, in dem der Patient lernt, individuelle Wege zur Krankheitsbewältigung zu finden.
→    vgl. Information, Schulung/Anleitung, Moderation
Quelle: 
Netzwerk Patienten- und Familienedukation in der Pflege e.V., Patientenedukation http://patientenedukation.de/themen/patientenedukation  (letzter Zugriff am 15.01.2018)

→    Dimensionen von Patientenberatung 
Zu den zentralen Prinzipien der Patientenberatung gehört das Präventionsprinzip. Es knüpft an lebenslagen- und milieuspezifischen Vorstellungen an und bietet niedrigschwellige Gesprächsgelegenheiten an, die Orientierung und Information anbieten. Die Interventionslogik von Beratung umfasst die Ebenen a) Problemlösung durch Perspektivwechsel, b) Problemlösung durch Wissensvermittlung und c) Problemlösung durch Kompetenzförderung (Empowerment).
Quelle:
Schaeffer, Doris; Schmidt-Kaehler, Sebastian (Hrsg.): Lehrbuch Patientenberatung. Bern: Hans Huber, 2012.
 

→    Pflegeberatung
Seit 2009 ist der Anspruch auf Pflegeberatung für Versicherte gesetzlich festgeschrieben, um Menschen darin zu unterstützen, Zugang zu Pflege-, Versorgungs- und Betreuungsleistungen zu finden. 
Quelle: 
SGB XI

Case Management/Fallsteuerung

Case Management ist eine Verfahrensweise in Humandiensten und ihren Organisationen zu dem Zweck, bedarfsentsprechend im Einzelfall eine nötige Unterstützung, Behandlung, Begleitung, Förderung und Versorgung von Menschen angemessen zu bewerkstelligen. Der Handlungsansatz ist zugleich ein Programm, nach dem Leistungsprozesse in einem System der Versorgung und in einzelnen Bereichen des Sozial- und Gesundheitswesens effektiv und effizient gesteuert werden können. 
Quelle: 
Deutsche Gesellschaft für Care und Case Management (2012) Was ist CM? https://www.dgcc.de/case-management/ (letzter Zugriff am 15.01.2018)

Fallsteuerung/Case Management dient der Patientenorientierung und Patientenpartizipation und der Ergebnisorientierung in komplexen und arbeitsteiligen Versorgungsprozessen. Mit Blick auf die Versorgung bilden hierbei die Funktionen des Anwaltes/Vertreters des Patienten (Advocacy), der Vermittlung von passenden Leistungen (Broker) und des Verschaffens von Zugang zu Leistungen des Versorgungssystems (Gate Keeper) wichtige Kernaspekte. Der Fallsteuerungsprozess folgt den methodischen Schritten: Assessment > Planung > Intervention > Monitoring > Evaluation 

Delegation

Der Begriff Delegation […] stammt aus dem juristischen Kontext. Dabei ist Delegation eine Übertragung von beruflichen Tätigkeiten von einer Berufsgruppe auf eine andere, wobei die Übertragung jeweils angeordnet wird. […] Von Delegation wird insbesondere im Zusammenhang mit der Übergabe ärztlicher Tätigkeiten an nicht-ärztliche Berufsgruppen, und hier wiederum insbesondere an die Pflege, gesprochen. 
Quelle: 
Gutachten 2007 des Sachverständigenrates zur Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen Kooperation und Verantwortung – Voraussetzungen einer zielorientierten Gesundheitsversorgung - Drucksache 16/6339 http://dipbt.bundestag.de/dip21/btd/16/063/1606339.pdf (letzter Zugriff am 15.01.2018)

Digitalisierung

Digitalisierung im Gesundheitswesen umfasst insbesondere

  • die Weiterentwicklung bestehender analoger Verfahren der Kommunikations- und Austauschprozesse zwischen Pflegenden und Ärzten untereinander sowie mit Patientinnen und Patienten, 
  • die elektronische Speicherung von Notfalldaten und Medikationsplänen auf der elektronischen Gesundheitskarte (eGK), 
  • den elektronischen Versand von Briefen und Gutachten über die Telematikinfrastruktur (TI), 
  • Videokonsultationen zwischen Patient, Pflege und Arzt sowie 
  • den gemeinsamen Zugriff auf elektronische Patientenakten (ePA).

Evidenz

Externe Evidenz umfasst alles, was man aus den Erfahrungen anderer Menschen mit pflegerischen Maßnahmen wissen kann (typischerweise als Häufigkeitsaussagen in Studien dokumentiert, mit mehr oder weniger guter Bewältigung von Bias = Verzerrungen). Interne Evidenz umfasst alles, was man als Pflegebedürftige/r nur selber wissen und nicht aus externer Evidenz ableiten kann: Teilhabeziele (Leidenschaften, Bewährungsvorstellungen), leibliche Ressourcen und Kontakte, Schmerzen und Freuden usw. 

Fachexperte/Fachexpertin

Der pflegerische Fachexperte pflegt, berät, begutachtet, unterrichtet, kooperiert und koordiniert mit dem Ziel, die Pflege von Menschen […] zu optimieren. Er hat sich im Rahmen von Fort- und Weiterbildung für diese Aufgabe qualifiziert. Die reflektierte Erfahrung im Umgang mit Betroffenen ist Bestandteil seiner Expertise. 
Quelle: 
Deutsche Netzwerk für Qualitätsentwicklung in der Pflege (DNQP; 2015) Expertenstandard Pflege von Menschen mit chronischen Wunden 1. Aktualisierung einschließlich Kommentierung und Literaturstudie

Fachweiterbildung

Weiterbildung bezeichnet den Bildungsweg zur Spezialisierung, der zu einer zusätzlichen bzw. höheren Qualifizierung führt. Im Regelfall (außer Stations- und Wohnbereichsleitung sowie Hygienefachkraft) sind dies zweijährige berufsbegleitende Angebote. In 14 Bundesländern gibt es Weiterbildungsgesetze bzw. -verordnungen. Diese sind abgesehen von der Zwei-Jahres-Dauer nicht einheitlich. Meist wird eine zweijährige Berufspraxis als Zugangsvoraussetzung gefordert. Der theoretische Unterricht umfasst mindestens 720 Stunden (in einzelnen Ländern aber auch mehr als 1.000 Stunden), und es werden Praxiseinsätze definiert.
Fachweiterbildungen gibt es u.a. für:

  • Anästhesie- und Intensivpflege
  • Endoskopie und Operationsdienst
  • Psychiatrische Pflege
  • Onkologische Pflege
  • Gerontopsychiatrische Pflege
  • Nephrologie.

Grundständig und primärqualifizierend

Grundständige, primärqualifizierende Studiengänge führen zu einem Berufsabschluss und gleichzeitig zum Erwerb eines akademischen Grades. Dabei sind berufsbildende Ausbildungsinhalte integraler Bestandteil des Hochschulstudiums – die Berufsausbildung wird mit der akademischen Ausbildung verbunden. In einem System gestufter Bildungsabschlüsse werden ausbildungsintegrierte Bachelorstudiengänge oftmals auch synonym als „primärqualifizierende“ Studiengänge bezeichnet, da sie eine erste Berufsausbildung mit einem ersten akademischen Grad verbinden. 
Quelle: 
Hochschulrektorenkonferenz, 2014

Information

Weitergabe von gezielten Erläuterungen in verschiedener Form (z.B. schriftlich, mündlich, visuelle Medien, Kontaktvermittlung, etc.)
→    vgl. Schulung/Anleitung, Beratung, Moderation
Quelle: 
Netzwerk Patienten- und Familienedukation in der Pflege e.V., Patientenedukation http://patientenedukation.de/themen/patientenedukation (letzter Zugriff am 15.01.2018)

Intersektoral

Versorgung von Patienten, die sich nicht auf einen Versorgungssektor (z.B. Krankenhaus) beschränkt, sondern sich aus Sicht des Patienten möglichst nahtlos auch in den Übergängen zwischen unterschiedlichen Versorgungssektoren realisiert.

Intraprofessionell, interprofessionell

→    intraprofessionell
Mitglieder einer Berufsgruppe (z.B. Pflegende) arbeiten in einem definierten Arbeitskontext zusammen oder ein bestimmter Sachinhalt bezieht sich auf eine Berufsgruppe.
→    Interprofessionell
Mitglieder verschiedener Berufsgruppen (Pflegende, Ärzte, …) arbeiten in einem definierten Arbeitskontext zusammen oder ein bestimmter Sachinhalt bezieht sich auf mehrere Berufsgruppen (z.B. interprofessioneller Standard).

Karriere

Es ist zu unterscheiden zwischen vertikaler und horizontaler Laufbahngestaltung. Vertikale Laufbahngestaltung, primär zu fassen als Karriere- und Aufstiegsmanagement im Sinne von Führungslaufbahn (vgl. Regnet 2004), gilt als klassisches Segment der Personalentwicklung. Horizontale Fachlaufbahnen – auch als Spezialisten-/Expertenlaufbahn oder Projektlaufbahn bezeichnet (Domsch und Ladwig 2011) – gewinnen im Zuge der Veränderungen innerhalb der Arbeitswelt hin zu flachen Hierarchien und im Kontext begrenzter Tätigkeitsdauern eine zunehmende Bedeutung. Durch eine Spezialisierung auf bestimmte Tätigkeitsbereiche bzw. durch Übernahme einer weitgehenden fachlichen Verantwortung können Entwicklungs- und Entlastungmöglichkeiten im angestammten Tätigkeitsfeld geschaffen werden (vgl. Morschhäuser 2006). 
Quelle:
Frerichs, Frerich.: Einführung. Demografischer Wandel in der Erwerbsarbeit – Anforderungen an die Arbeits- und Laufbahngestaltung. In: Frerichs, Frerich (Hrsg.), Altern in der Erwerbsarbeit. Perspektiven der Laufbahngestaltung (Vechtaer Beiträge zur Gerontologie). Wiesbaden, 2016, S.11-22.

Kompetenzen

Kompetenzen sind innere Voraussetzungen (Dispositionen) eines Menschen, die ihn in die Lage versetzen, selbstorganisiert zu handeln (nach Erpenbeck/Rosenstiel 2003). Kompetent ist, wer in der Lage ist, mit Hilfe einer begrenzten Anzahl von (verallgemeinerbaren, abstrakten) Elementen und Regeln, eine (relativ) unbegrenzte Zahl von für seinen (Fach-) Bereich typischen Situationen zu verstehen und zu bewältigen (Chomsky 1981).
Quellen:
Erpenbeck, John; von Rosenstiel, Lutz (Hrsg.): Handbuch Kompetenzmessung. Erkennen, verstehen und bewerten von Kompetenzen in der betrieblichen, pädagogischen und psychologischen Praxis. Stuttgart: Schäffer-Pöschel, 2003.
Chomsky, Noam: Regeln und Repräsentationen. Frankfurt: Suhrkamp, 1981

Kooperation

Kooperation lässt sich auch als Gemeinschaftsarbeit, Gemeinschaftsproduktion, Koproduktion, Teamarbeit oder Zusammenarbeit umschreiben. Kooperation kann sowohl auf der mono- als auch auf der multiprofessionellen Ebene stattfinden. 
Bedingungen selbsttragender Kooperationen nach Nowack und Gellert 2010:

  1. Geklärte Beziehungen und Rollen, z. B.: Sind die Rollen im Team klar und transparent? Inwieweit sind Arbeitsstile miteinander vereinbar? Schwelen Beziehungskonflikte?
  2. Übereinstimmung der Interessen, Ziele und Prioritäten, z. B.: Ist Kooperation an dieser Stelle und zu diesem Thema sinnvoll? Wird ein gleiches Maß an Zeit und Ressourcen investiert? Inwieweit hilft Zusammenarbeit bei der Erreichung individueller/kollektiver Ziele?
  3. Fehlende Konkurrenz, z. B.: Konkurrieren die Beteiligten/Positionen? Wird Wissen bewusst zurückgehalten?
  4. Vertrauen in die Kompetenz der Kooperationspartner, z.B.: Werden die Teammitglieder für ausreichend kompetent gehalten? Besteht Vertrauen in ihre Selbstständigkeit und Eigenverantwortung? Werden die eigenen Kompetenzen ausreichend gewürdigt? 

Quelle: 
Robert Bosch Stiftung (2011): Memorandum Kooperation der Gesundheitsberufe.

Moderation

Gruppengespräch mit Patient und Angehörigen bei schwieriger Entwicklung im Umgang mit der Erkrankung 
→    vgl. Information, Schulung/Anleitung, Beratung
Quelle: 
Netzwerk Patienten- und Familienedukation in der Pflege e.V., Patientenedukation http://patientenedukation.de/themen/patientenedukation (letzter Zugriff am 15.01.2018)

Personalentwicklung

Personalentwicklung ist mehr als Fort- und Weiterbildung. Sie umfasst Maßnahmen der Bildung und Förderung, die sich beispielsweise in Form von Einarbeitung, Mentoring, Karriere-/Entwicklungsplanung, Führungskräfteentwicklung oder Coaching darstellen können. Demnach nimmt Personalentwicklung das Lernen von Menschen und Organisationen in den Blick und zielt darauf ab, beides zu fördern. Personalentwicklung orientiert sich an den Unternehmenszielen, nimmt jedoch die Ziele des Einzelnen in den Blick und ist darum bemüht, einen Einklang zwischen beiden herzustellen.

Pflege

Professionelle Pflege umfasst die eigenverantwortliche Versorgung und Betreuung, allein oder in Kooperation mit anderen Berufsangehörigen, von Menschen aller Altersgruppen, von Familien oder Lebensgemeinschaften sowie von Gruppen und sozialen Gemeinschaften, ob krank oder gesund, in allen Lebenssituationen (Settings). Pflege schließt die Förderung der Gesundheit, Verhütung von Krankheiten und die Versorgung und Betreuung kranker, behinderter und sterbender Menschen ein. Weitere Schlüsselaufgaben der Pflege sind Wahrnehmung der Interessen und Bedürfnisse (Advocacy), Förderung einer sicheren Umgebung, Forschung, Mitwirkung in der Gestaltung der Gesundheitspolitik sowie im Management des Gesundheitswesens und in der Bildung. 
Quelle:
Original unter www.icn.ch/definition.htm  (letzter Zugriff am 15.01.2018) (deutsche Übersetzung konsentiert zwischen den Berufsverbänden der deutschsprachigen Länder DBfK, ÖGKV und SBK)

Pflegebedarf

Unter Pflegebedarf ist ein Teil oder die Gesamtheit der pflegerischen Interventionen zu verstehen, die als geeignet und erforderlich gelten, um pflegerisch relevante Problemlagen zu bewältigen. Pflegebedarf ist demnach kein Merkmal des Patienten, sondern das Ergebnis eines Prozesses der klinischen Beurteilung und Entscheidung.
Quelle:
Kerngruppe Curriculum: Begründungsrahmen Integrative Pflegeausbildung. Das Stuttgarter Modell 2006

Pflegebedürftigkeit

Pflegebedürftigkeit ist definiert als gesundheitlich bedingte Beeinträchtigung der Selbstständigkeit, die personelle Hilfe in den Bereichen:

  • Mobilität,
  • Bewältigung psychischer Anforderungen und Problemlagen,
  • Selbstversorgung (regelmäßige Alltagsverrichtungen),
  • Bewältigung krankheits-/behandlungsbedingter Anforderungen und Belastungen sowie
  • Gestaltung des Alltagslebens und soziale Kontakte

erforderlich macht.
Quelle: 
GKV Spitzenverband (2011): Schriftenreihe Modellprogramm zur Weiterentwicklung der Pflegeversicherung (Band 2) „Das neue Begutachtungsinstrument zur Feststellung von Pflegebedürftigkeit“

Pflegediagnosen

Pflegediagnosen systematisieren pflegerisches Handeln und umfassen die „klinische Beurteilung der individuellen, familiären oder gemeinschaftlichen Reaktionen auf gegenwärtige oder potenzielle Gesundheitsprobleme/Lebensprozesse. Eine Pflegediagnose stellt die Grundlage für die Auswahl an Pflegeinterventionen hinsichtlich der Erzielung von geplanten Outcomes dar, für die Pflegende verantwortlich sind“ 
Quelle:
9. Konferenz, 1990, NANDA-I 2010, S. 433.

Pflegeexperte/Pflegeexpertin APN (Advanced Practice Nurse)

Die deutschsprachigen Berufsverbände definieren Pflegeexperte APN als Pflegefachperson „[…], welche sich Expertenwissen, Fähigkeiten zur Entscheidungsfindung bei komplexen Sachverhalten und klinische Kompetenzen für eine erweiterte pflegerische Praxis angeeignet hat. Die Charakteristik der Kompetenzen wird vom Kontext und/oder den Bedingungen des jeweiligen Landes geprägt, in dem sie für die Ausübung ihrer Tätigkeit zugelassen ist. Ein Masterabschluss in Pflege (Nursing Science) gilt als Voraussetzung.“ 
Quelle: 
DBfK, ÖGKV & SBK (2013) Advanced Nursing Practice in Deutschland, Österreich und der Schweiz: Eine Positionierung von DBfK, ÖGKV und SBK, S. 2.

Pflegeklassifikation

Pflegeklassifikationen sollen das Fachgebiet der Pflege fachlich korrekt beschreiben. Sie müssen den Wissensfundus und den Verantwortungsbereich der Pflege umfassend darstellen. 

  • Der konzeptionelle Fokus des Fachgebietes Pflege muss identifiziert und exakt definiert sein: Pflegeklassifikationen sollen theoriegeleitete, definierte (standardisierte) Pflegediagnosen, Pflegeinterventionen und pflegesensible Ergebnisse pflegebedürftiger Menschen (Patienten/Klienten/Bewohner) beschreiben und ordnen. 

Quelle:
Müller Staub, Maria, Schalek Kurt, König Peter (Hg.) (2017) Pflegeklassifikationen, Hogrefe, Bern.

Pflegeprozess/Pflegediagnostischer Prozess/Pflegeziele

Die Pflegeprozessplanung umfasst das systematische Erheben pflegerelevanter Informationen, Bedarfe, Bedürfnisse, Gewohnheiten, biographische Aspekte sowie Fähigkeiten und Ressourcen des Pflegebedürftigen. Die Informationssammlung wird systematisch gebündelt, um daraus Pflegediagnosen und Pflegeziele zu formulieren sowie die Pflegemaßnahmen zu planen. Die Evaluation dient der Zielerreichungskontrolle und stellt damit die Grundlage für zeitlich festgesetzte, regelmäßige Optimierung/Korrektur im Pflegehandeln dar. Der Pflegeprozess wird hausintern geregelt und ist im Qualitätshandbuch des Leistungsanbieters verbindlich festgeschrieben.
Quelle:
I Care Pflege (2015) Stuttgart: Georg Thieme.
Definition Pflegeziel laut ENP: https://www.recom.eu/853.html (letzter Zugriff am 15.01.2018)

Pflegerisch-therapeutische Haltung

Eine pflegerisch-therapeutische Haltung hat die Unterstützung und Begleitung des Patienten/Bewohners/Klienten in einer Weise im Fokus, dass für ihn das bestmögliche Niveau an Gesundheit und Selbstständigkeit oder ein würdiges Sterben erreicht werden kann. Pflege geschieht in der Interaktion mit dem Patienten und dessen Angehörigen sowie mit den Partnern im interprofessionellen Team.

Prävention

Primäre Prävention hat zum Ziel, die Entstehung einer Erkrankung zu verhindern. Informationen zu gesundheitsriskantem Verhalten und zu Risikofaktoren, die für die Entstehung einer Krankheit verantwortlich, stehen  im Mittelpunkt der Präventionsarbeit. Sekundäre Prävention hat zum Ziel, Erkrankungen, die sich bereits manifestiert haben, im Frühstadium zu erkennen, um möglichst frühzeitig Interventionen einzuleiten, die eine Chronifizierung verhindern. Beratung zu gesundheitsförderlichem Verhalten und zu Risikofaktoren, die den Fortschritt einer Krankheit befördern, sind Schwerpunkt der Präventionsarbeit. Tertiäre Prävention hat die Verhinderung des weiteren Fortschreitens der Erkrankung, vor allem aber die Verhinderung des Eintritts von Komplikationen sowie die Sicherung der Lebensqualität und Teilhabe zum Ziel. 
Quelle:
Psychrembel. Klinisches Wörterbuch (2011) Berlin: de Gruyter; Auflage: 261. neu bearbeitet

Rehabilitationspflege

Rehabilitationspflege unterstützt, fordert und fördert die Selbstbestimmung des Menschen mit Pflegebedarf. Ziel von rehabilitativen Pflegeinterventionen ist immer, die individuell optimal erreichbare Mobilität des Menschen sowie Selbstständigkeit und Teilhabe in der Form zu erreichen, wie diese vor der aktuellen Verschlechterung bestanden haben. Die wichtigsten Aspekte der rehabilitativen Pflege sind Beratung und Anleitung; außerdem aktivierend-rehabilitative, kommunikative, psychosoziale und edukative Interventionen. Die Pflegeinterventionen können ambulant, teilstationär oder stationär durchgeführt werden. Sie finden eine lebenslange Anwendung.
Quelle:
Bartels, Eckardt, Wittekind, Wittrich: Aktivierend-therapeutische Pflege in der Geriatrie, Kohlhammer Verlag, Stuttgart 2015

Rehabilitationsziele

Übergeordnetes Rehabilitationsziel ist die Förderung der Selbstbestimmung und der gleichberechtigten Teilhabe am Leben in der Gesellschaft für behinderte und von Behinderung bedrohte Menschen (§ 1 SGB IX - Rehabilitation und Teilhabe behinderter Menschen). Gesetzlich vorgegebene trägerspezifische Rehabilitationsziele richten sich nach den für den jeweiligen Rehabilitationsträger geltenden Sozialgesetzbüchern. Individuelle Rehabilitationsziele sind konkrete Vereinbarungen zwischen Rehabilitand und Rehabilitationsteam (Therapieziele), die sich auf das erwartete bzw. erreichbare Rehabilitationsergebnis unter Berücksichtigung der Konstellation des Einzelfalls beziehen.

Schulung/Anleitung

Ergebnisorientiertes Vermitteln von Fertigkeiten 
→    vgl. Beratung, Information, Moderation
Quelle: 
Netzwerk Patienten- und Familienedukation in der Pflege e.V., Patientenedukation http://patientenedukation.de/themen/patientenedukation (letzter Zugriff am 15.01.2018) 

Substitution

Bei der Substitution von Aufgaben werden bestimmte Tätigkeitsinhalte einer Berufsgruppe von einer anderen vollumfänglich übernommen. Findet die Substitution zwischen gleichwertigen Ausbildungsgraden statt, wird von horizontaler Substitution gesprochen (z. B. Aufgabenverschiebungen zwischen Facharztgruppen). Bei der vertikalen Substitution kommt es zur Aufgabenverschiebung zwischen ungleichen Ausbildungsgraden, z. B. zwischen akademischen und nicht-akademischen Berufen. Eine Substitution ist nur möglich, wenn die entsprechenden Aufgaben nicht durch Tätigkeitsvorbehalte geschützt sind.
→    vgl. Delegation

Teilhabe

Das SGB IX bestimmt in § 1 „Selbstbestimmung und gleichberechtigte Teilhabe am Leben in der Gesellschaft“ als Ziel von Pflege und therapeutischer Rehabilitation und knüpft damit an die Unterscheidung der International Classification of Functioning, Disability and Health (ICF) zwischen Activities und Participation an.