360° Pflege

Das Glossar

An dieser Stelle erklären wir Fachbegriffe, die in der Projektarbeit wichtig waren. Wo dies möglich ist, verweisen wir auf öffentlich zugängliche Quellen. Alle anderen Einträge sind Arbeitsdefinitionen der Teilnehmer.

Personalentwicklung

Personalentwicklung ist mehr als Fort- und Weiterbildung. Sie umfasst Maßnahmen der Bildung und Förderung, die sich beispielsweise in Form von Einarbeitung, Mentoring, Karriere-/Entwicklungsplanung, Führungskräfteentwicklung oder Coaching darstellen können. Demnach nimmt Personalentwicklung das Lernen von Menschen und Organisationen in den Blick und zielt darauf ab, beides zu fördern. Personalentwicklung orientiert sich an den Unternehmenszielen, nimmt jedoch die Ziele des Einzelnen in den Blick und ist darum bemüht, einen Einklang zwischen beiden herzustellen.

Pflege

Professionelle Pflege umfasst die eigenverantwortliche Versorgung und Betreuung, allein oder in Kooperation mit anderen Berufsangehörigen, von Menschen aller Altersgruppen, von Familien oder Lebensgemeinschaften sowie von Gruppen und sozialen Gemeinschaften, ob krank oder gesund, in allen Lebenssituationen (Settings). Pflege schließt die Förderung der Gesundheit, Verhütung von Krankheiten und die Versorgung und Betreuung kranker, behinderter und sterbender Menschen ein. Weitere Schlüsselaufgaben der Pflege sind Wahrnehmung der Interessen und Bedürfnisse (Advocacy), Förderung einer sicheren Umgebung, Forschung, Mitwirkung in der Gestaltung der Gesundheitspolitik sowie im Management des Gesundheitswesens und in der Bildung. 
Quelle:
Original unter www.icn.ch/definition.htm  (letzter Zugriff am 15.01.2018) (deutsche Übersetzung konsentiert zwischen den Berufsverbänden der deutschsprachigen Länder DBfK, ÖGKV und SBK)

Pflegebedarf

Unter Pflegebedarf ist ein Teil oder die Gesamtheit der pflegerischen Interventionen zu verstehen, die als geeignet und erforderlich gelten, um pflegerisch relevante Problemlagen zu bewältigen. Pflegebedarf ist demnach kein Merkmal des Patienten, sondern das Ergebnis eines Prozesses der klinischen Beurteilung und Entscheidung.
Quelle:
Kerngruppe Curriculum: Begründungsrahmen Integrative Pflegeausbildung. Das Stuttgarter Modell 2006

Pflegebedürftigkeit

Pflegebedürftigkeit ist definiert als gesundheitlich bedingte Beeinträchtigung der Selbstständigkeit, die personelle Hilfe in den Bereichen:

  • Mobilität,
  • Bewältigung psychischer Anforderungen und Problemlagen,
  • Selbstversorgung (regelmäßige Alltagsverrichtungen),
  • Bewältigung krankheits-/behandlungsbedingter Anforderungen und Belastungen sowie
  • Gestaltung des Alltagslebens und soziale Kontakte

erforderlich macht.
Quelle: 
GKV Spitzenverband (2011): Schriftenreihe Modellprogramm zur Weiterentwicklung der Pflegeversicherung (Band 2) „Das neue Begutachtungsinstrument zur Feststellung von Pflegebedürftigkeit“

Pflegediagnosen

Pflegediagnosen systematisieren pflegerisches Handeln und umfassen die „klinische Beurteilung der individuellen, familiären oder gemeinschaftlichen Reaktionen auf gegenwärtige oder potenzielle Gesundheitsprobleme/Lebensprozesse. Eine Pflegediagnose stellt die Grundlage für die Auswahl an Pflegeinterventionen hinsichtlich der Erzielung von geplanten Outcomes dar, für die Pflegende verantwortlich sind“ 
Quelle:
9. Konferenz, 1990, NANDA-I 2010, S. 433.

Pflegeexperte/Pflegeexpertin APN (Advanced Practice Nurse)

Die deutschsprachigen Berufsverbände definieren Pflegeexperte APN als Pflegefachperson „[…], welche sich Expertenwissen, Fähigkeiten zur Entscheidungsfindung bei komplexen Sachverhalten und klinische Kompetenzen für eine erweiterte pflegerische Praxis angeeignet hat. Die Charakteristik der Kompetenzen wird vom Kontext und/oder den Bedingungen des jeweiligen Landes geprägt, in dem sie für die Ausübung ihrer Tätigkeit zugelassen ist. Ein Masterabschluss in Pflege (Nursing Science) gilt als Voraussetzung.“ 
Quelle: 
DBfK, ÖGKV & SBK (2013) Advanced Nursing Practice in Deutschland, Österreich und der Schweiz: Eine Positionierung von DBfK, ÖGKV und SBK, S. 2.

Pflegeklassifikation

Pflegeklassifikationen sollen das Fachgebiet der Pflege fachlich korrekt beschreiben. Sie müssen den Wissensfundus und den Verantwortungsbereich der Pflege umfassend darstellen. 

  • Der konzeptionelle Fokus des Fachgebietes Pflege muss identifiziert und exakt definiert sein: Pflegeklassifikationen sollen theoriegeleitete, definierte (standardisierte) Pflegediagnosen, Pflegeinterventionen und pflegesensible Ergebnisse pflegebedürftiger Menschen (Patienten/Klienten/Bewohner) beschreiben und ordnen. 

Quelle:
Müller Staub, Maria, Schalek Kurt, König Peter (Hg.) (2017) Pflegeklassifikationen, Hogrefe, Bern.

Pflegeprozess/Pflegediagnostischer Prozess/Pflegeziele

Die Pflegeprozessplanung umfasst das systematische Erheben pflegerelevanter Informationen, Bedarfe, Bedürfnisse, Gewohnheiten, biographische Aspekte sowie Fähigkeiten und Ressourcen des Pflegebedürftigen. Die Informationssammlung wird systematisch gebündelt, um daraus Pflegediagnosen und Pflegeziele zu formulieren sowie die Pflegemaßnahmen zu planen. Die Evaluation dient der Zielerreichungskontrolle und stellt damit die Grundlage für zeitlich festgesetzte, regelmäßige Optimierung/Korrektur im Pflegehandeln dar. Der Pflegeprozess wird hausintern geregelt und ist im Qualitätshandbuch des Leistungsanbieters verbindlich festgeschrieben.
Quelle:
I Care Pflege (2015) Stuttgart: Georg Thieme.
Definition Pflegeziel laut ENP: https://www.recom.eu/853.html (letzter Zugriff am 15.01.2018)

Pflegerisch-therapeutische Haltung

Eine pflegerisch-therapeutische Haltung hat die Unterstützung und Begleitung des Patienten/Bewohners/Klienten in einer Weise im Fokus, dass für ihn das bestmögliche Niveau an Gesundheit und Selbstständigkeit oder ein würdiges Sterben erreicht werden kann. Pflege geschieht in der Interaktion mit dem Patienten und dessen Angehörigen sowie mit den Partnern im interprofessionellen Team.

Prävention

Primäre Prävention hat zum Ziel, die Entstehung einer Erkrankung zu verhindern. Informationen zu gesundheitsriskantem Verhalten und zu Risikofaktoren, die für die Entstehung einer Krankheit verantwortlich, stehen  im Mittelpunkt der Präventionsarbeit. Sekundäre Prävention hat zum Ziel, Erkrankungen, die sich bereits manifestiert haben, im Frühstadium zu erkennen, um möglichst frühzeitig Interventionen einzuleiten, die eine Chronifizierung verhindern. Beratung zu gesundheitsförderlichem Verhalten und zu Risikofaktoren, die den Fortschritt einer Krankheit befördern, sind Schwerpunkt der Präventionsarbeit. Tertiäre Prävention hat die Verhinderung des weiteren Fortschreitens der Erkrankung, vor allem aber die Verhinderung des Eintritts von Komplikationen sowie die Sicherung der Lebensqualität und Teilhabe zum Ziel. 
Quelle:
Psychrembel. Klinisches Wörterbuch (2011) Berlin: de Gruyter; Auflage: 261. neu bearbeitet