Interprofessionelle Kooperation

Substitution und Delegation

Bei der Delegation übernimmt die berufliche Pflege ärztlich veranlasste Aufgaben (sog. heilkundliche Tätigkeiten) und führt diese stellvertretend für den Arzt aus (Bohne 2011). Die Delegation hat nach einer Untersuchung von Bräutigam et al. (2014) stark zugenommen und das Spektrum der übernommenen Tätigkeiten ist groß. Am häufigsten werden Aufgaben der Wundbehandlung, intravenöse Arzneimittelapplikation, Wechsel des Dauerkatheters bis hin zu unterstützenden Maßnahmen der Diagnostik , wie etwa Blutentnahme und EKG,  intravenöse Arzneimittelapplikation übernommen (ebenda.). Gleichzeitig hat der Skill- und Grade-Mix in den Einrichtungen im Sinne einer Delegationskaskade dazu geführt, dass pflegerische Tätigkeiten an andere Berufe abgegeben wurden, v.a. im Bereich von Servicetätigkeiten (z.B. Vorbereiten, verteilen u. abräumen der Mahlzeiten, Mahlzeitenerfassung, desinfizieren und/oder aufbereiten von Pflegewagen).
 

Für die ärztliche Anordnung gelten als Delegationsgrundsätze: die Anordnungspflicht, Instruktionspflicht, Dokumentationspflicht sowie auch die Überwachungspflicht. Die Gesamtverantwortung für die Behandlung liegt bei anordnenden Arzt). 
 

Bei der Substitution wird die Anwendung der heilkundlichen Tätigkeiten selbständig und ohne ärztliche Veranlassung von qualifizierten Pflegefachpersonen übernommen. 2016 wurde der erste Modellstudiengang durch das Bundesministerium für Gesundheit zugelassen. Im Rahmen einer grundständigen Bachelorqualifikation in der Gesundheits- und Krankenpflege erfolgt dabei die heilkundliche Befähigung für die Behandlung chronischer Wunden und des Diabetes mellitus Typ II (Becker & Jahn 2017). im § 63 Abs. 3c SGB V weder von „Delegation“ noch von „Substitution“, sondern von „Übertragung ärztlicher Tätigkeiten zur selbständigen Ausübung von Heilkunde“ spricht.  Bislang steht noch aus, die so genannte Heilkundeübertragungsrichtlinie diesbezüglich zu präzieren - dies insbesondere auch mit Blick auf das Haftungsrecht und die Delegationsgrundsätze (§ 28 Abs. 1 SGB V).

Interprofessionelle Kooperation

Beispiele aus den Arbeitsgruppen

Jede Aufgabe, die von beruflicher Pflege im Rahmen von Substitution und Delegation übernommen wird, benötigt entsprechend qualifiziertes Pflegefachpersonal. Die Aufgaben müssen in Absprache mit den kooperierenden Professionen übernommen werden.


Substitution

Übernahme von Aufgaben anderer Berufsgruppen durch die berufliche Pflege, z.B.

  •  Ausdehnung der Modellprojekte nach § 63, Absatz 3c SGB V zur Übertragung heilkundlicher Tätigkeiten bei ausgewählten Krankheitsbildern mit chronischen Verläufen bzw. Gruppen von Menschen mit langanhalten Versorgungsbedarfen
  • Verordnungen nach §63, Absatz 3b SGB V, z.B. Heil- und Hilfsmittel (ambulante Pflege) oder Wundversorgungs- und Inkontinenzmaterial (stationäre Langzeitpflege)
  • Medikationsmanagement (akutstationäre Pflege) und nicht-medikamentöse Therapien, z.B. Schmerztherapie (ambulante Pflege)
  • Ernährungstherapie wie enterale und parenterale Ernährung (akutstationäre und ambulante Pflege)


Delegation

Übertragung beruflicher Tätigkeiten anderer Berufsgruppen auf die berufliche Pflege, z.B.

  • i.v.-Medikation (akutstationäre und ambulante Pflege)
  • spezialisierte Verrichtungen, z.B. Schluck- und Bewegungsübungen, Reha-Maßnahmen nach Schlaganfall u.ä. (stationäre Langzeitpflege)
  • Folgerezepte und Bedarfsmedikation, z.B. Verwaltung und Einsatz der Hausapotheke (ambulante Pflege)
  • Beatmungskontrolle, Wundversorgung (akutstationäre Pflege) bzw. über die Wundversorgung hinausgehende Arzneimittelapplikationen wie Port-Versorgung (ambulante Pflege)
  • Impfungen (ambulante Pflege)

Übertragung beruflicher Tätigkeiten aus der Pflege auf andere Berufsgruppen, z.B.

  • Physikalische Therapien werden durch Therapeuten übernommen (ambulante Pflege).
  • Servicedienste, Transport, Datenerfassung/-management (akutstationäre Pflege)
  • Durchführung von Verrichtungen nach Risikobewertung durch entsprechend geschulte, angelernte Personen, z.B. einfache Maßnahmen der Behandlungspflege oder Hygiene.