Pflegeteam

Auswirkungen

Was verändert der Qualifikationsmix?

Der Qualifikationsmix

  • betrifft und integriert alle Mitarbeiter des Pflegeteams, denn jede Qualifikation hat ihre Berechtigung und wird von allen anerkannt,
  • erfordert ein gemeinsames Pflegeverständnis,
  • bringt Veränderungen auf allen Ebenen – Mitarbeiter, Team, Abteilung, Organisation; neue Hierarchien sind dabei ausdrücklich zu vermeiden,
  • ist erfolgreich, wenn er von allen gelebt wird, so dass für jede Qualifikationsstufe ein attraktives Aufgabenfeld in der direkten Versorgung entsteht,
  • führt zu einem Zugewinn an pflegerischer und pflegewissenschaftlicher Kompetenz,
  • muss von der Führung bzw. Leitung aktiv unterstützt werden.

Auswirkungen ausführlich

 

Welche (neuen) Rahmenbedingungen sind notwendig?

Als zentrale Erkenntnisse der Projektarbeit halten die Teilnehmer fest:

  • Die berufliche Pflege muss auf allen Entscheidungsebenen der Organisation neben ärztlicher und/oder kaufmännischer Führung gleichberechtigt vertreten sein.
  • Die Führung ist immer Vorbild, gestaltet die Organisationskultur und trägt damit wesentlich zum Erfolg (oder Misserfolg) des Qualifikationsmixes bei.
  • Die Personalentwicklung strebt bewusst einen Qualifikationsmix an und stellt die Einbindung der qualifikationsgemixten Pflege im multiprofessionellen Team sicher.
  • Die Verantwortung für den pflegerischen Prozess liegt immer bei der Pflege selbst.

Pflegeteam

Organisatorische Rahmenbedingungen

Folgende Rahmenbedingungen sind notwendig, damit der Qualifikationsmix im Pflegeteam erfolgreich umgesetzt werden kann und das qualifikationsgemixte Team seine Aufgaben gut erfüllt:

 

  • Berufliche Pflege muss auf allen Entscheidungsebenen der Organisation neben ärztlicher und/oder kaufmännischer Führung gleichberechtigt vertreten sein.
  • Führung bringt allen Qualifikationsniveaus die gleiche Wertschätzung entgegen.
  • Führung macht klare strukturelle Vorgaben und „Spielregeln“ und sichert sie ab. 
  • Führung sorgt für flache Hierarchien, in der die berufliche Pflege jeden Qualifikationsniveaus ihren Platz finden kann.
  • Führung arbeitet auf allen Ebenen der Organisation transformational und partizipativ; dies ist in Führungsleitlinien verankert. Auf Teamebene können Modelle wie „Führung im Team“ attraktiv sein.
  • Führung setzt Vertrauen in die Mitarbeiter, damit diese ihre Kompetenzen in die Versorgung der Menschen mit Pflegebedarf und in das Team einbringen können. 
  • Führung sorgt für Transparenz, vom oberen Management bis in die Teams. Dies betrifft vor allem steigende Anforderungen an Kommunikation und Schnittstellenmanagement innerhalb des Qualifikationsmixes.
  • Führung fördert und fordert die berufliche Weiterentwicklung und das lebenslange Lernen der Mitarbeiter und stellt hierfür Spielräume (z.B. Ausbildungspflegeheim) zur Verfügung. 
  • Eine fachliche und eine disziplinarische Führung des Pflegeteams stützen den Qualifikationsmix. Dies setzt entsprechende Qualifikationen voraus. Sollten diese Funktionen von unterschiedlichen Personen wahrgenommen werden, ist die qualitätsorientierte Kooperation ein Muss. Die fachliche Führung ist in die Versorgung des Menschen mit Pflegebedarf eingebunden und sichert die Kontinuität des Qualifikationsmixes.
  • Führung zeichnet sich durch Veränderungsbereitschaft aus. Sie erkennt intern wie extern wechselnde An- und Herausforderungen und reagiert im Qualifikationsmix darauf. Ein Austausch mit externen Akteuren ist möglich. 
  • Führung ist immer Vorbild, gestaltet die Organisationskultur und trägt damit wesentlich zum Erfolg (oder Misserfolg) des Qualifikationsmixes bei. Der Qualifikationsmix sollte daher von der Führung sinnvoll und geplant in die Organisation eingeführt werden.
  • Mit dem Qualifikationsmix entstehen mehr interne Schnittstellen. Der Bedarf an Regelkommunikation steigt und muss durch eine Kommunikationsmatrix unterstützt werden. Sie muss gepflegt und kontinuierlich überprüft sowie bei Bedarf aktualisiert werden. Hierunter fallen auch das Informations- und Wissensmanagement (z.B. um Expertenwissen verfügbar zu machen), Informationstechnologien und verbindliche Standards zu deren Nutzung.
  • Kommunikation wird strategisch geplant und organisiert. Sie erfolgt regelhaft und bedarfsorientiert und wird partizipativ und kooperativ gelebt. Dies betrifft sowohl die intradisziplinäre als auch die multiprofessionelle Kommunikation. 
  • Die Teilnahme an Kommunikation und die Umsetzung eines Kommunikationskonzepts sind für alle Mitarbeiter der Organisation verpflichtend.
  • Kommunikation über Veränderungsprozesse wird möglichst transparent gestaltet. Dies betrifft die Implementierung des Qualifikationsmixes sowie alle weiteren Top-Down-Prozesse. Darüber hinaus braucht jede Organisation auch Möglichkeiten und Raum für Bottom-Up-Kommunikation und -Veränderung.
  • Personalentwicklung erfolgt lebensphasenorientiert über die gesamte Dauer der Unternehmenszugehörigkeit eines Mitarbeiters und richtet sich nach der jeweiligen Lebensphase des Mitarbeiters aus.
  • Personalentwicklung orientiert sich bewusst auf den Qualifikationsmix hin. Sie stellt die Einbindung der qualifikationsgemixten Pflege in das multiprofessionelle Team sicher.
  • Personalentwicklung hält strategische Karrieremodelle bzw. ein strategisches Personalkonzept vor, das auf den bedarfsorientierten Qualifikationsmix ausgerichtet ist. 
  • Personalentwicklung sorgt für ein strukturiertes Ausbildungskonzept, das auf den Qualifikationsmix der Organisation abgestimmt ist. 
  • Personalentwicklung setzt partizipative Instrumente wie Mitarbeitergespräche, Zielvereinbarungen etc. ein. Sie unterstützt Mitarbeiter, die sich (akademisch) weiterbilden möchten und pflegt eine professionelle Fortbildungskultur, die die Entwicklungswünsche der Mitarbeiter aufgreift. Dabei verfolgen Personal- und Organisationsentwicklung eine einheitliche Strategie.
  • Personalentwicklung gestaltet aktiv die Zusammenarbeit mit Bildungseinrichtungen, insbesondere den Hochschulen. Derzeit befinden wir uns in einer Situation, die sehr unübersichtlich ist. Es braucht Transparenz, Qualitätsstandards und ein einheitliches Transfersystem (Anrechenbarkeit von Bildungsabschlüssen und -leistungen).
  • Personalentwicklung berücksichtigt Supervision und Coaching als Selbstverständlichkeiten. 
  • Personalentwicklung ist immer als Bestandteil der Organisationsentwicklung zu verstehen.
  • Die Verantwortung für den pflegerischen Prozess liegt bei der Pflege (Primary Nursing). Die Organisation berücksichtigt dabei Prozessverantwortung vertikal und horizontal, aber auch einschließlich vor- und nachgelagerter Bereiche.
  • Die Organisation lebt eine positive Fehlerkultur im Sinne einer „No-Blame-Culture“. Aus Fehlern lernen zu können, steigert die Arbeitszufriedenheit, fördert die selbstständige Arbeit und ermöglicht es Fachkräften unterschiedlicher Qualifikationsniveaus, ihr Wissen und Können im Team einzubringen.
  • Die Organisation verfolgt ein vorausschauendes Personalmanagement. Es werden externe Faktoren wie demografischer Wandel und Fachkräftemangel berücksichtigt. Mögliche Angebote sind ein betriebliches Gesundheitsmanagement, die individuelle Arbeitsplatzgestaltung (Länge der Touren, Work-Life-Balance …), Verfahren zur Wiedereingliederung langzeiterkrankter Mitarbeiter, Lebensarbeitszeit etc. Diese Modelle steigern die Attraktivität des Berufs, erhalten die Arbeitsfähigkeit der Mitarbeiter und sichern die Wettbewerbsfähigkeit der Organisation.
  • Organisationskonzepte mit dem Fokus einer „lernenden Organisation“ unterstützen den Qualifikationsmix. 
  • Die Organisation analysiert den Markt und leitet daraus die externen Bedarfe ab. Sie passt ihre Leistungen entsprechend an und richtet den Qualifikationsmix darauf aus.
  • Die Organisation ermittelt und analysiert interne Bedarfe durch systematisierte Abfragen (z.B. 360°-Feedback-System, Mitarbeiterbefragung). So werden Risiken früh erkannt und das Commitment der Mitarbeiter durch strategische Maßnahmen gefestigt. Ein erfolgreicher Qualifikationsmix wird somit zum Wettbewerbsfaktor.
  • Die Organisation ist offen für Innovationen. Dies betrifft z.B. den gezielten Einsatz neuer technischer oder digitaler Lösungen im Versorgungsprozess des Menschen mit Pflegebedarf.
  • Die Organisation zeichnet sich durch Veränderungsbereitschaft aus. Konzepte zur Veränderung (bspw. IOWA Model of Evidence-based Practice, PARiHS/Promoting Action on Research Implementation in Health Services) gehören auch auf die Arbeitsebene der Pflege.