Fallbeispiel

Irmgard Steiner

  • Informationen:82 Jahre
  • Angehörige:Ehemann (Ende 70)
  • Lebenssituation:Kinderloses Ehepaar mit wenig Sozialkontakten, viele gemeinsame Reisen. Ehemann übernimmt Betreuung seiner Frau daheim, wendet sich dann an Pflegeberatungsstelle. Ihre Krankheit und die Belastungen führen zu ihrem Einzug in eine Altenpflegeeinrichtung.
  • Diagnose:Demenz, Inkontinenz
Akutstationäre Pflege
Ambulante Pflege
Rehabilitationpflege
Stationäre Langzeitpflege

Das kinderlose Ehepaar Steiner hatte sich im Rentenalter ein Wohnmobil gekauft und viele Reisen unternommen. Nach einiger Zeit stellte Herr Steiner fest, dass seine Frau sich immer schlechter orientieren konnte. An Ferienziele, die sie häufig angesteuerten, konnte sie sich nicht mehr erinnern; alles schien neu für sie. Frau Steiner spürte selbst, dass sich etwas veränderte. Aus Unsicherheit wollte sie nicht mehr mit dem Wohnmobil verreisen, weshalb Herr Steiner es schweren Herzens verkaufte. Er war noch fit und übernahm immer mehr Aufgaben. Dies betraf den Haushalt genauso wie die Garderobe, das Anziehen und die Körperpflege. Nur das Kochen wollte sich Frau Steiner partout nicht nehmen lassen. Allerdings musste ihr Mann nun darauf achten, dass der Herd ausgeschaltet wurde. Bei allen Erledigungen außer Haus begleitete er sie oder übernahm diese direkt alleine.

Nach einigen Monaten brauchte Herr Steiner externe Unterstützung, da ihn die Situation zunehmend körperlich und psychisch belastete und sich der Zustand seiner Frau verschlechterte: Sie aß wenig, verlor an Gewicht und hatte extrem trockene Haut. Sie nahm Essen und Getränke nur nach langem Zureden zu sich; an den Herd ging sie gar nicht mehr. Außerdem machte sich eine Inkontinenz bemerkbar. Herr Steiner wandte sich an den Hausarzt, der ihn an die örtliche Pflegeberatungsstelle verwies. Dort erfolgte die Beratung über Hilfs- und Unterstützungsmöglichkeiten im Kontext einer Pflegebedürftigkeit. Die Mitarbeiterin der Pflegeberatungsstelle, eine berufserfahrene Pflegefachperson, unterstützte Herrn Steiner dabei, eine Einschätzung der Selbständigkeit seiner Frau zu beantragen. Der Medizinische Dienst der Krankenversicherung stellte für Frau Steiner einen Pflegegrad fest. Er beriet Herrn Steiner über die weiteren Möglichkeiten und empfahl für Frau Steiner den Umzug in eine Altenhilfeeinrichtung. Herr Steiner erhoffte sich so wieder mehr Freiraum für sich selbst sowie professionelle Betreuung und aktivierende Angebote für seine Frau.

  • iEinsatz Pflegedienstleitung stationäre Langzeitpflege, mind. Bachelor-Abschluss mit langjähriger Berufserfahrung oder Masterabschluss

Führen des Erstgesprächs und Delegation der weiteren Aufgaben zum Einzug in die Einrichtung.
 

  • iEinsatz Pflegefachperson mit guten Organisationskenntnissen

Frau Steiner zog in die stationäre Pflegeeinrichtung; ihr Mann besuchte sie dort jeden Tag. Seit dem Einzug wird Frau Steiner von einer Bezugspflegefachkraft verantwortlich betreut.

  • iEinsatz Pflegefachperson mit Berufserfahrung

Steuert und evaluiert als Bezugspflegefachkraft den gesamten Pflege- und Betreuungsprozess verantwortlich in Absprache mit Betroffenen bzw. Angehörigen.
 

  • iEinsatz ausgebildeter Pflegehelfer/-assistenz

Frau Steiner machte nach dem Umzug in die moderne Wohnanlage zunächst einen sehr unglücklichen Eindruck und sprach fast nicht mehr. Die zahlreichen Reisefotos schaute sie sich zwar auf Drängen ihres Mannes gelegentlich an, konnte aber keinen Bezug mehr zu den Orten und Erlebnissen dort herstellen. Nur die Fotos ihrer Eltern und ihres älteren Bruders hellten ihre Stimmung deutlich auf. Wenige Monate nach dem Einzug von Frau Steiner in die Einrichtung verstarb ihr Mann völlig unerwartet.

Die pflegerischen Mitarbeiter der Altenhilfeeinrichtung hatten bereits beim Einzug von Frau Steiner festgestellt, dass sie sich grundsätzlich schwer tat, Hilfe anzunehmen, sowohl bei den Mahlzeiten als auch bei der Körperpflege. Deshalb achtete man in ihrer Versorgung darauf, dass nur wenige, beständige Bezugspflegepersonen eingesetzt werden. Solange ihr Ehemann noch da war, ging vieles einfacher. Nach seinem Tod war Frau Steiner irritiert und fragte häufig, wann er endlich nach Hause käme. Inzwischen weicht Frau Steiner den Blicken und der Ansprache der Pflegefachpersonen möglichst aus und schiebt deren Hände zur Seite. Manchmal verzieht sie dabei das Gesicht und sagt deutlich „Nein“. Sie wirkt bei jedem Körperkontakt extrem angespannt und versteift Arme und Beine. Nur wenn sie zweimal pro Woche die „Kochgruppe“ besucht, wirkt sie gelöst und zufrieden.